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Einladung zum Agrecol-Herbsttreffen
2009
Wertschöpfungsketten im Fairen
Handel und im Ökolandbau: Welchen Nutzen können Sozialstandards für die Akteure
bringen?
AGRECOL
9.-11. Oktober 2009, Hofgeismar
Einführung
Auch in der Vergangenheit hat sich AGRECOL bei seinen
Treffen nicht nur mit nachhaltiger Landwirtschaft und Ökolandbau im engeren
Sinne beschäftigt, sondern unter anderem auch mit ländlicher Entwicklung,
regionaler Vermarktung, fairem Handel und Klimawandel. Dabei war unsere Sicht
meistens an der Perspektive der Kleinbauern und der Förderung von Kleinbauern
orientiert.
Auf dem Herbsttreffen 2009 wollen wir einen erweiterten
Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette legen: einen Blick, der den Teil der
Verbraucher mit ins Bild nimmt, der ebenfalls ein Interesse an einer
Handelskette ohne Ausbeutung hat.
Hintergrund
In den letzten Jahren wird immer deutlicher, wie stark der
Einfluss der großen Handelsketten auf die Arbeitsbedingungen nicht nur
kettenintern ist, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen aller vorgelagerten
Akteure und auch der großen und kleinen Konkurrenten.[1]
Da die Discounter und Supermarktketten vor allem über den
Preis operieren und versuchen, Kunden über den Preiskampf zu gewinnen, ist
Kostenreduktion in allen Bereichen ein zentrales Instrument für diese Akteure.
Dabei wird ein immenser Druck auf alle Akteure der Wertschöpfungsketten erzeugt
und bewirkt immer unfairere Handelspraktiken, nicht nur im Süden, sondern auch
im Norden.
Fairer Handel
Der sogenannte „Faire Handel" entstand vor mehr als 30
Jahren mit der Perspektive bessere und nachhaltigere Preise für kleinbäuerliche
Produktion und Arbeitsbedingungen im Süden zu fördern. Wurden fair gehandelte
Produkte ursprünglich vor allem von „Eine-Welt-Läden" vertrieben, so sorgt die
zunehmende Vermarktung über Discounter für Diskussionsstoff. Stichworte sind
dabei mangelnde Glaubwürdigkeit von fair gehandelten Produkten in „unfairen"
Verkaufsstätten, oder ein befürchtetes/tatsächliches Aufweichen von Standards
durch große Marktmacht von Discountern. Demgegenüber stehen Argumente, dass
über Discounter ein größerer Umsatz erreicht wird, und dass mehr fair
gehandelte Produkte auch größere Vorteile für mehr Kleinbauern im Süden
bedeuten.
Bio, regional, fair
In den letzten Jahren/Monaten wurden in Deutschland viele
Initiativen gestartet, die sich die Förderung von gerechten Arbeitsbedingungen
in der gesamten Wertschöpfungskette explizit zum Ziel gesetzt haben. Dabei
steht bei den meisten Initiativen nicht der klassische „Faire Handel" und dessen
Produkte im Fokus, sondern sie verstehen sich als bio-regio-fair Initiativen.
Für viele dieser Initiativen stehen gemeinsame Werte wie ein ökologisch
ausgerichteter Umgang mit Ressourcen, Regionalität in der Verarbeitung und
Vermarktung, Saisonalität, fairer oder partnerschaftlicher Umgang mit
Handelspartnern, eine Präferenz für klein bis mittelstrukturierte
Betriebsformen in Erzeugung, Verarbeitung und Handel, etc im Vordergrund. Werte
die mit der zunehmenden Verbreitung von Bio, dem Aufstieg vieler kleiner
Akteure zu großen Firmen, dem Einstieg von branchenfremden Firmen, also der
zunehmenden Ausdifferenzierung des Biomarktes zunehmend verloren gegangen sind.
Das Treffen
Wir halten die Impulse, die aus der bio-regio-fairen
Diskussion und der Diskussion über Sozialstandards kommen für wichtige
Elemente, die beide die In-Wert-Setzung kleinbäuerlicher ökologisch
ausgerichteter Produktion, Verarbeitung und Vermarktung voranbringen können.
Auf dem Treffen wollen wir deswegen die Erfahrungen aus dem
Fairen Handel und die noch jungen Erfahrungen aus verschiedenen bio-regio-fair
Initiativen gemeinsam beleuchten. Dabei interessieren uns auch besonders die
Erfahrungen aus dem Textil- und dem Holzbereich (insbesondere deren
Sozialstandards und die Wirkungen verschiedener Standards und Zertifizierungen
auf kleine und mittlere Anbau-, Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen)..
Um unsere eigenen Erfahrungen, die vor allem aus der
Entwicklungszusammenarbeit kommen zu erweitern und bereichern, wollen wir gerne
andere Akteure aus dem bio-regio-fair Bereich und dem Fairen Handel einladen (hier
gerne Spezialisten zu Standards - auch aus den Bereichen Textil und Holz). Dabei
ist es uns wichtig, mehr über die Wirkungen der verschiedenen Standards auf
kleinstrukturierte Produktion, Verarbeitung und Vermarktung zu erfahren.
Ziel ist es, voneinander zu Lernen und die Erfahrungen für
die Weiterentwicklung von Kriterien des fairen Handels und für bio-regio-fair
Initiativen nutzen zu können. Ein weiteres Ziel ist es, herauszufinden, ob es
sinnvoll und möglich erscheint, gemeinsame Kriterien für Sozialstandards und
Regionalität (weiter) zu entwickeln, die sowohl im klassischen fairen Handel
als auch im deutschen Biohandel nutzbringend umgesetzt werden können
Veranstaltungsort und Zeitpunkt
Wir treffen uns vom Freitag 9. Oktober (Abends) bis Sonntag
11. Oktober (Mittags).
Unser Treffen wird in der Evangelischen Akademie Hofgeismar
stattfinden. Hofgeismar liegt im Reinhardswald und ist mit der Bahn gut vom ICE
Bahnhof Kassel Wilhelmshöhe zu erreichen (30 Minuten Fahrzeit).
Das Programm
Das detaillierte Programm für das Wochenende kommt Ende
August.
[1] (z.B. die Supermarktstudie
von Oxfam „Supermärkte auf dem Vormarsch im Süden - Bedrohung für
Kleinbauern?", die Kleidungsdiscountstudien von ccc (clean clothes campaign)
„Wer bezahlt unsere Kleidung bei Lidl und KiK?" (auch Englisch „Who pays for our clothing from
Lidl and KiK") und "Cashing in - Giant retailers, purchasing practices, and
working conditions in the garment industry", u.a.)
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